Inspirationen vom Trainer Kongress 2018 in Berlin

Wow, die Zeit vergeht: 10 Jahre inspirierender Trainer Kongress in Berlin. Dieser ging am 23. und 24. März 2018 im Café Moskau in der Schillingstraße über die Bühne, wobei ich nun schon zum 8. Mal dabei war. Mit dabei waren auch – mir gut bekannte und sehr geschätzte Frauen – nämlich Sabine Kainrath (Siemens, s. auch Beitragsfoto – an der „MotivierBAR“ 😀 ) und Astrid Hoebertz sowie Ines Haberl (beide von der FFG-Akademie – s. nachstehendes Foto).

Du kannst daher heute mehrere Beiträge vom Trainer Kongress nachlesen:

  1. „Weniger ist mehr – die Kunst der didaktischen Reduktion“ (Anna Langheiter)
  2. „Lernräume der Zukunft – Exzellente Trainingskunst in einer digitalisierten Welt (Barbara Messer)
  3. „Frisch, fromm, fröhlich – falsch. Auf Mythen nicht hereinfallen“ (Axel Ebert & Christoph Wirl)
  4. „Bring’s endlich auf den Punkt! Der Storyboard Ansatz“ (Thomas Kis)
  5. Gastbeitrag über “Positionierung” von Sabine Kainrath

1. “Weniger ist mehr – die Kunst der didaktischen Reduktion” (Anna Langheiter)

Das obige Bild, auch „Graphic Organiser“ genannt, ist die Zusammenfassung eines mehrstufigen Prozesses in einer Graphik, den Anna Langheiter sehr anschaulich vermittelt hat.

Vor einem Training steht immer eine Trainingsbedarfsanalyse, in der folgendes geklärt wird: gewünschtes Ergebnis, Lernziele, Inhalte, Zielgruppe.

Da die Trainings aber tendenziell immer kürzer werden, müssen wir als TrainerInnen immer mehr in die didaktische Reduktion gehen, also das „Lernwürdige“ vom „Lernmöglichen“ trennen. Dafür hat sie – immer ausgehend von den Lernzielen – ein paar Methoden vorgestellt, die man dafür verwenden kann, wie z.B. Kopf (Wissen/Kennen); Herz (Verhaltensänderung), Hand (anwenden / analysieren / darstellen können). Oder versuchen, die Stoffmenge gedanklich auszusieben bzw. in einen limitierenden Koffer zu packen.

Gut gefallen hat mir die Methode des „Graphic Organisers“, eine Visualisierung / Graphik, welche wir für alle möglichen Themen erstellen können.

Die sog. „Lernlandkarte“ verwende ich selbst oftmals, z.B. für Projektmanagement-Trainings, wo die TeilnehmerInnen selbst Begriffe zu Überschriften zuordnen, wie beispielsweise zu Projektdefinitionen oder ihren ersten Projektstrukturplan (PSP) erstellen lasse. Funktioniert hervorragend!

Was beim Trainingsdesign zu beachten ist, kannst du übrigens auch in meinem Buch nachlesen. Vielen Hinweise und Methoden findest du auch in meinem Blog MindFood.

Die vorgestellte „Criticality Matrix“ fand ich auch sehr zielführend, da ich sie insbesondere in Interaktion mit meiner Kundschaft einsetzen kann, um herauszufinden, worauf nun wirklich der Fokus im Training gelegt werden soll. Und so sieht sie aus. Trainiert wird dann was, was häufig gebraucht wird und ganz wesentliche Inhalte des Arbeitsalltags der Trainees sind.

2. „Lernräume der Zukunft – Exzellente Trainingskunst in einer digitalisierten Welt (Barbara Messer)

Begonnen haben wir am Feuerplatz (s. Foto) mit echten Holzscheiten, aber keinem Feuer 🙂

Auch Barbara geht davon aus, dass angesichts der fortschreitenden Digitalisierung die Präsenztrainings immer kürzer werden, und eine weitere Fokussierung notwendig sein wird, auch in Hinblick darauf, WAS TrainerInnen anbieten, dh der USP ist weiter zu schärfen (in meinem Fall „Train-the-Trainer-Seminare“ und „Moderationstrainings“).

TrainerInnen sollten ihr Thema „durchdrungen“ und somit „ein Mandat“ für das Thema haben. Auch sollten sie authentische Persönlichkeiten sein und sich zurücknehmen können (im Mittelpunkt stehen die TeilnehmerInnen und die spannende Aufbereitung des Inhalts).

„Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte“ war auch ein spannender Satz. Und ich stimme ihr völlig zu, wenn sie meint, die TeilnehmerInnen müssten ERLEBEN. Methoden sind deutlich an Lernzielen zu orientieren, müssen sinnvoll, sinnstiftend und inhaltsbezogen sein, wozu auch Rituale zählen können. Und auch hier, völlige Übereinstimmung mit meiner Erfahrung und meiner Herangehensweise.

Sie zeigte mehrere Methoden, die jedoch jenen vom vorjährigen Trainerkongress sehr ähnlich waren (nachzulesen hier).

Und zwei Sätze fand ich zudem bemerkenswert:

  • „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“
  • „Je weniger Rollen wir spielen, desto besser sind wir greifbar. Daher TrainerIn nicht von Person selbst trennen!“

3. „Frisch, fromm, fröhlich – falsch. Auf Mythen nicht hereinfallen“ (Axel Ebert & Christoph Wirl)

Die beiden haben einige Mythen, die TrainerInnen so erzählen, und die in ihrem Buch „Bullshit Busters“ näher beschrieben werden, und den tatsächlichen Stand der Wissenschaft dazu erläutert.

Auch sollten wir selbst ein paar dieser Mythen auf Karten schreiben, die dann besprochen wurden.

Wenn du also meinst, etwas sei bullshit-verdächtig, dann kannst du beispielsweise auf folgenden Homepages recherchieren:

Researchgate.net

Henning Beck über Neuromythen

Nolting: Abschied von der Küchenpsychologie (Buch, allerdings aus 2012)

Unstatistiken

4. „Bring’s endlich auf den Punkt! Der Storyboard Ansatz“ (Thomas Kis)

Der Storyboard Ansatz, der im Wesentlichen mit Schlagzeilen / Headlines – wie bei Zeitungen – arbeitet, dient dazu ein komplexes Thema (und somit auch Präsentationen) knackig aufzubereiten. Der Ansatz gefällt mir sehr gut, braucht jedoch einiges an Hirnschmalz, um die Essenz, die Kernbotschaften, wirklich gut rauszuziehen.

Wichtig dabei ist die Beachtung von 3 Regeln:

  1. Fokussiert: Publikum soll wissen, was warum wichtig ist – wenn ich Schlussfolgerungen aus einem Thema gezogen habe, dann diese in Botschaften umformulieren!
  2. Strukturiert: Botschaften haben nur 4-8 Worte, 1 Tätigkeitswort und/oder 1 Eigenschaftswort und sind keine vollständigen Sätze
  3. Visualisiert: Die Botschaften werden idealerweise auch graphisch unterstützt, wie folgende Beispiele zeigen:

Spannend finde ich diese Herangehensweise allemal für Präsentationen, da v.a. die Headlines peppiger werden, und nicht bloß einen Titel haben. Außerdem kann man davon ausgehen, dass die gesamte Präsentation viel mehr Fokus hat, da ich mir meine Kernbotschaften einfach gut überlegen muss.

Angewandt habe ich diese Methode ja schon bei der Erstellung meines USP, bei der mich ein guter Freund und Journalist unterstützt hat.

Und nun folgt der Gastbeitrag von Sabine Kainrath:

Ich entschied mich beim Trainer Kongress für folgende Themen: Du willst dich neu oder besser vermarkten? Du willst neue Kunden gewinnen?

Dazu gab es diesmal bei verschiedenen Workshops viele Tipps wie du dein persönliches Profil am besten schärfst, um dich erfolgreich zu positionieren.

Einer dieser Workshops befasste sich mit Biographiearbeit (Welche Geschichte erzähle ich über mich?).

Zu zweit widmeten wir uns der Geschichte jedes einzelnen (3 Phasen der Narration): In der Erzählphase darf keine Zwischenfrage gestellt werden, Notizen (auch auf Flip) dürfen gemacht werden. In der zweiten Phase dürfen Fragen zur Geschichte gestellt werden (Verständnisfragen, vertiefende Fragen).Die dritte Phase dient dem Abgleich zwischen Selbst- und Fremdbild (welche Worte verwendest du bei deiner Geschichte? Gibt es Wiederholungen? Ist ein roter Faden erkennbar? Was zeichnet dich aus? Durchaus auch Zwischen-den-Zeilen-Inhalte anmerken). Gemeinsam stimmt ihr die Merkmale ab. Dies ermöglicht die Annäherung von Selbst- und Fremdbild. Höre genau hin und du erhältst ein geschenktes Fremdbild, dass dich sicher weiterbringt! Probier’s aus. Es lohnt sich! Wir alle waren sehr verblüfft, wie uns das bewegt hat!

Mit dieser Grundlage kannst du selbst weiter dein Profil schärfen.

Die Klärung deiner Herkunft, Identität, deiner Fähigkeiten, deiner Werte, deiner Ziele……. sind wesentliche Bestandteile für deinen Erfolg. Ein stabiler Kern ermöglicht Wiedererkennung, gibt dir Sicherheit. Wichtig ist, dass du auf deine Werte achtest auch bei der Auswahl deiner Kunden. Sie leiten dein Handeln und sind immer mit Gefühlen belegt.

Bedenke:

Während du dich mit deiner Persönlichkeit befasst, lässt du jetzt mal unbedingt die Medien wie deine Homepage oder deinen Auftritt zB in Xing, etc. weg, du willst ja keine Kopie sein! Erst wenn deine Identität geklärt ist, kannst du es aussenden und leben!

Willst du dich verändern, kann es Probleme mit Zielgruppen geben oder es kann auch möglich sein, dass du keine Lust mehr hast dich auf eine bestimmte Branche zu spezialisieren.

KommVOR mit deiner Persönlichkeit und nicht nur mit deinen Leistungen – viel Spass dabei!

Vielen Dank für diesen Beitrag, liebe Sabine!

Der denk-würdige und sehr lustige Abschluss des Trainer Kongresses wurde – wie auch schon die letzten Male – vom Impro-Theater frei.wild gestaltet.

Und zu guter Letzt gab es noch ein paar Tränen, als vom Helferlein-Team ein Gedicht vorgetragen wurde, das Gert Schilling und seine Frau Angelika anlässlich des 10jährigen Jubiläums des Trainer Kongresses würdigte und wertschätzte.

Hier findest du noch eine Übersicht über die von mir besuchten Sessions des Trainer Kongresses als Mindmap.

So, das war’s zum diesjährigen Trainer Kongress in Berlin. Wenn du neugierig auf die letztjährigen bist, dann kannst du hier 2017 sowie 2016 nachlesen, und hier 2015 (diesen hatte meine Mitarbeiterin Nicole Schmidt verfasst, da sie auch dabei war) sowie 2014.

Solltest du den Trainer Kongress schon selbst besucht haben, dann hinterlasse doch nachstehend deine Impressionen! Wenn nicht, dann hoffe ich, dass wir uns 2019 (22. & 23. März) dort treffen! Also, ich hab mich für den Samstag, 23. März, schon angemeldet.

Herzlichst, Birgit