Der 8. März 2018 war für mich ein ziemlich aufregender Tag. Am Internationalen Frauentag moderierte ich, von BMVIT beauftragt (in Kooperation mit dem BMNT), die Zukunftskonferenz zur „Mobilitätswende Österreich 2030“ mit etwa 100 TeilnehmerInnen in der Sky Lounge der Wirtschaftskammer Österreich.

(Diese Zukunftskonferenz war der Auftakt einer Sequenz von Workshops im Rahmen einer Stakeholder-Prozessbegleitung – mit Kooperationspartner Michael Wedler von B.A.U.M. – die ich später mal in einem Blogartikel beschreiben werde.)

Also, eine hochrangig besetzte Veranstaltung mit VertreterInnen aus den beiden Ministerien, Wirtschaft und Wissenschaft, Bundesländern, NGOs und anderen Interessensvertretungen und vielen mehr, die sich einen ganzen Tag lang zu Trends und Visionen zur Mobilität der Zukunft austauschten.

Vorab schon: Dieses hochinteraktive Format „Future Search Conference“ (= Zukunftskonferenz) wurde schon in den 80er Jahren von Marvin Weissbord (US) initiiert und seither erfolgreich und weltweit für Stakeholder-Prozesse, die Visionen kreieren und umsetzen wollen, angewandt. Dieses Format dauert normalerweise 2 Tage, verteilt auf 3 Tage (Lunch to Lunch), und besteht aus 4 großen Schritten:

  1. Halbtag: Betrachtung der Vergangenheit
  2. Tag: Analyse der Gegenwart (1/2 Tag) + Schaffen einer gemeinsamen Zukunft/Vision (1/2 Tag)
  3. Halbtag: Umsetzungsmöglichkeiten generieren

 

Für die Mobilitätswende Zukunftskonferenz stand nur 1 Tag zur Verfügung. Da jedoch ohnehin in anderen Projekten Vergangenes analysiert und Umsetzungsmöglichkeiten geprüft werden, fokussierten wir auf die Gegenwart, v.a. auf Trends, und auf die Zukunft.

Im Vorfeld hatte ich meine AuftraggeberInnen gebeten, die TeilnehmerInnen vorab dazu einzuladen, einen 3D Gegenstand, welche die persönliche Mobilitätsvision symbolisierte und zudem zur eigenen Vorstellung dienen sollte, mitzubringen, sich auf Gruppenarbeiten einzustellen und sich für einen kreativen und interaktiven Zugang zur Erarbeitung einer Vision der Mobilität der Zukunft zu öffnen.

Dies ist schließlich einer der Gründe, warum man mich bucht. Mein USP. Dass ich das kreative Potenzial meiner TeilnehmerInnen herauskitzle. Dass ich nicht davor zurückschrecke ihnen bunte Seidentücher und Quietschehühner vor die Nase zu halten. ☺

Ich bereitete mich also akribisch vor, investierte viel Zeit in die Vorbereitung des Openings und die eine oder andere „Omega Rochade“ (Kurzbeschreibung s. Input zur Rangdynamik am Inspiration Day). Was ich für mich wieder erkannt habe: überprüfe immer vor dem Start eines Trainings oder einer Moderation dein Mindset und analysiere sorgfältig den Hintergrund deiner TeilnehmerInnen und deren mögliche Erwartungshaltungen und mögliche Bedenken. Falls notwendig, versuche dein Mindset entsprechend zu adaptieren und zu „neutralisieren“ (nicht jede Meinung zu einem Thema muss deiner eigenen Meinung entsprechen, und als Moderatorin MUSS ich neutral sein! S. auch Rolle) und die potenziellen Bedenken deiner TeilnehmerInnen in einer Omega-Rochade zu adressieren.

Eröffnet wurde die Konferenz von Andreas Reichhardt und Josef Plank, den Generalsekretären beider Ministerien. Die wesentlichen Aussagen dazu, auch von Henriette Spyra, der Leiterin der Stabsstelle Mobilitätswende & Dekarbonisierung im Generalsekretariat des Verkehrsministeriums, findest du auf der Homepage des bmvit: https://infothek.bmvit.gv.at/mobilitaetswende-2030-aufbruch-mobilitaet-der-zukunft/

Danach ging es im Block „TRENDS“ darum, in homogenen Gruppen von jeweils etwa 8 Personen die aktuellen Trends im Bereich Mobilität auf regionaler, EU und globaler Ebene zu diskutieren, auszuarbeiten und diese – wie könnte es anders  sein – auf kreative Art und Weise und gleichzeitig sehr kurz zu präsentieren.

Ich habe mich hier für die Variante ZIB2 entschieden – 2 Minuten Kurzzusammenfassung der Erkenntnisse aus den 30-minütigen Gruppendiskussionen, visualisiert auf einer Pinnwand in Form einer Mindmap. Das ZIB2 Logo gab‘s im Hintergrund auf der Leinwand, damit das Ganze auch stilecht wirkt. Die Moderatorinnen präsentierten nun nacheinander die Trends: Urbanisierung, Digitalisierung, Individualisierung und einiges mehr.

Manche Trends zogen sich in der einen oder anderen Abwandlung durch alle Gruppen, während andere nur in spezifischen Gruppen vorkamen. Darum ließ ich die Gruppen im Anschluss nochmals für 15 Minuten auf alle erarbeiteten Trends blicken und die 3-4 wichtigsten auf Kärtchen schreiben, welche dann – sichtbar für alle – auf Pinnwände gepinnt wurden. Hierzu gab es jeweils eine Pinnwand zur regionalen, europäischen und zur globalen Ebene. Ich lasse die TeilnehmerInnen im Anschluss an kreative Sessions den Sukkus immer gerne nochmals zusammenfassen und herausarbeiten, damit am Ende wirklich eine klare Analyse steht.

Im Anschluss brachte mein Kompagnon für diese Prozessbegleitung, der Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsexperten Michael Wedler von B.A.U.M, den Prozessblock „Trends“ durch eine externe Kurzreflexion zum Abschluss.

Nach der Mittagspause ging es über in einen neuen Block zum Thema „VISIONEN“. Da es nun nochmal bunter und kreativer werden würde, machte ich auch optisch einen Cut und wechselte von einer weißen zu einer bunten Bluse.

Wir starteten in die neue Runde mit einer kurzen Performance zum gemeinsamen Schiffbau, bei der mich die Auftraggeberin, mein Sparring-Partner Michael sowie meine Helferleins Nicole und Sabine tatkräftig unterstützten. Die Schiffsbau Performance haben wir deshalb gewählt, da sie gut zu dem von uns als Leitspruch ausgewählten Spruch von Antoine de Saint-Exupery passte:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Anmerkung der Redaktion: Und Frauen natürlich auch! (insbesondere am Weltfrauentag! 🙂 )

In heterogenen Gruppen (VertreterInnen der einzelnen Stakeholder-Organisationen wurden nun vermischt) ging es nun darum eine gemeinsame Vision für die Mobilität der Zukunft zu erarbeiten.

Hier haben die TeilnehmerInnen zuerst anhand ihres mitgebrachten 3D Gegenstandes (der für sie ihre Mobilitätsvision symbolisieren sollte), in ihren Kleingruppen ihre jeweilige Vision zur Mobilitätswende in je 1 Minute vorgestellt. Da wurden zahlreich Fahrscheine ausgepackt, Fahrradklingeln, Schienenersatzteile aber auch Blumen und Kalender mit Kinderbildern (das fand ich besonders schön). Ich habe ihnen jeweils 4 Fragen zur Anleitung dieser Selbstvorstellung mitgegeben.

In einer 15-minütigen Reflexionsrunde wurden im Anschluss die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus den persönlichen Visionen erarbeitet und auf Pinnwänden visualisiert, bevor es dann in die kreative Ausarbeitung der gemeinsamen Visionen durch die Einzelgruppen ging.

Um meine TeilnehmerInnen zu kreativen Höchstleistungen zu inspirieren, habe ich ein ganzes Arsenal an Material herangekarrt. Bevor es mit den kreativen Ausarbeitungen losgeht, gibt es dann immer diese paar kritischen Sekunden, eine gewisse Schockstarre, ob diese kreative Anforderung nun wirklich ernst gemeint ist. Jedoch hab ich noch keine Gruppe erlebt, die nicht aktiv geworden wäre. Sehr rasch begannen die ersten zu stöbern und trugen z.B. Luftmatratzen, chinesische Winke-Katzen, Jonglierstäbe, Sparbüchsen und vieles mehr davon.

Dann wurden Taucherbrillen detailgetreu nachgemalt, verschiedenfarbige Seidentücher an die Wand gepinnt und Hulahup Reifen mit Netzwerken bespannt. Die Kreativität war im Fluss, und das fasziniert mich immer aufs Neue!

Das alles mag verspielt klingen, aber Innovation entsteht nur in Zusammenhang mit Kreativität, und diese haben wir versucht anzustacheln. Trau dich darüber! Du wirst verblüfft sein, welch kreatives Potenzial in deinen TeilnehmerInnen steckt!

Die Visionen wurden dann in 5-minütigen Performances präsentiert und danach von allen Gruppen der „rote Faden“ herausgearbeitet, der sich durch alle Performances zog. (Du siehst: auch hier wieder zum Abschluss eines kreativen Parts eine Zusammenfassung der Quintessenz).

Mein Kooperationspartner, Michael Wedler, stellte schließlich in seiner erneuten externen Reflexion und Zusammenfassung die durchaus nicht un-kritische Frage: „Wieviel Entschlossenheit und Geschlossenheit können wir bei relativ wenig Betroffenheit aufbringen, um eine Trendwende in der Mobilität herbeizuführen?

Am Ende standen innovative, inspirierende Visionen, denen eines gemeinsam war: quer über alle Interessensgruppen hinweg herrschte Einigkeit, dass Österreich beim Thema umweltfreundliche und nachhaltige Mobilität eine Vorreiterrolle, eine „Leuchtturm-Funktion“, einnehmen soll.

Der Tag ging also mit einer positiven Vision und mit einer sehr glücklichen (wenn auch geschlauchten ☺) Moderatorin zu Ende.

Und im April und Mai geht’s dann weiter mit Workshops in jedem einzelnen österreichischen Bundesland und 4 Themen-Workshops.

Und, hast du auch schon Zukunftskonferenzen erlebt? Wenn ja, wäre schön, wenn du nachstehend deine Erfahrungen beschreibst.

Herzlichst, Birgit

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